
"REVORMs Ziel war es, die gängigen Klischees über vegetarische Restaurants zu überwinden und sowohl das Logo als auch das moderne Dekor machen dies möglich."
Angenommen, Sie sollten irgendwo auf dem Globus ein vegetarisches Restaurant eröffnen — München wäre bestimmt nicht gerade Ihr favorisierter Standort. Bayern ist eben noch immer eher für tradionelle Weißwurst- und Bier-Genüsse bekannt. Um so beachtlicher, dass dort seit fast 20 Jahren das Restaurant Prinz Myshkin eigene vegetarische Pfade beschreitet. Unterstützung dabei erfährt es durch eine stark erneuerte Präsentation, sowohl beim Interieur als auch bei der Graphik.
"Die Menschen denken zuvorderst an Hippie-Kultur, wenn sie über vegetarische Restaurants sprechen", sagt Claas Blüher von der Designagentur REVORM. "Unser Ziel war es, von diesen Assoziationen loszukommen. Sie können vegetarisches Küche sehr gut mit einem zeitgemäßen Touch und modernem Auftritt anbieten". Eines der wichtigsten Elemente des Redesigns war das Logo des Restaurants. "Wir gaben der neuen Identität eine kosmopolitische Aura", erläutert Blüher. "Vor unserem Design setzte das Restaurant ein selbstproduziertes Logo in einer Pinselschrift ein. Es wirkte sehr altmodisch. Wir schlugen vor, dass der Auftritt sehr sauber und leicht daher kommen sollte." Er war erfolgreich. Mit der Foundry Sans als Logotype ist keine Hauch von Räucherstäbchen-Atmosphäre mehr zu sehen.
REVORMs Arbeit fällt darüber hinaus auch durch den geistreichen Einsatz von Bildern auf. Als es um die Gestaltung von Postkarten ging, untergrub Blüher zum Beispiel das bekannte Bild des legendären St. Bernhardiner Lawinenhundes mit Schnapsfässchen. "Um die Postkarten von der Masse abzuheben, wollten wir mit etwas Neuem aufwarten. Die Nähe Münchens zu den Alpen und damit zu den vielen Skifahren in der Region diente uns als gute Vorlage. Das Bild des Bernhardiners mit Schnapsfass um den Hals ist in Deutschland sehr bekannt, also dachten wir, damit sollten wir ein bißchen spielen." Anstelle des Fasses ziert ein Bund Karotten den Alpenhund.
"Jeder, der dieses Bild sah, lächelte sofort", fügt Blüher hinzu. "Und so sollte es doch immer sein, wenn es um vegetarisches Essen geht. Normalerweise wird es ja als eher trockene und rein gesundheitliche Angelegenheit betrachtet." Tatsächlich wurde das Bild so beliebt, dass es auch für die Webseite des Prinz Myshkin verwendet wurde, auf der jede Sektion wie eine Seite in einem Reservierungsbuch blätterbar ist. Klicken Sie auf einen neuen Menüpunkt blättert das Buch selbsttätig durch seine Seiten bis Sie auf der richtigen landen.
Im Zuge des Redesigns hat das Restaurant seine Wurzeln nicht vergessen. 'Love is all about' wurde aufwändig auf die Lederbänke in der Lounge genäht, während die Wand gegenüber filigrane Scherenschnitt-Portraits von Friedensnobelpreisträgern zeigt.
Grant Gibson für sein neues Buch "Restaurant Graphics", Laurence King Publishing, erscheint im Mai 2007.
www.laurenceking.co.uk

"Revorm ist es gelungen, mit einem klaren Design sowohl die Philosophie des Hauses als auch die von uns vertriebene Technik optimal in Szene zu setzen. Die neue Corporate Identity hat auch im inneren des Betriebes eine klare Linie und neue Strukturen gebracht. Die Kundenresonanz ist durchgängig positiv."
Gabriele Niedermeier, Prokuristin von RFT, München
Wenn tatsächlich der Groschen fällt und die Mittelständler sich von der Macht des Designs überzeugen lassen, kann richtig die Post abgehen. So zum Beispiel geschehen im Fall von Revorm und RFT. (...) Letzteres ist ein Münchener Hersteller von Ultraschall-Luftbefeuchtern – Produkte, die auf den allerersten Blick nicht gerade viel Sexappeal mitbringen.
Die Firma, die ein Dutzend Mitarbeiter beschäftigt und bis dato mit einem in Word selbst gesetzten Clipart-Logo arbeitete, wollte von Revorm eigentlich nur eine Webseite. Den Designern gelang es jedoch, überzeugend zu vermitteln, dass dafür auch ein vernünftiges Branding nötig sei. Inzwischen besitzt RFT nicht nur ein professionelles und hochwertig anmutendes Erscheinungsbild, bei dem alles ineinander greift, sondern auch einen neuen Namen. Ursprünglich lautete dieser nämlich Rohrhuber Frischetechnik, was sich bei der geplanten Expansion bei Nichtdeutschen wohl eher als Zungenbrecher erwiesen hätte. Das Naming und Rebranding durch Revorm kam also genau zum richtigen Zeitpunkt – jetzt geht RFT auf dem europäischen Markt überzeugend zur Sache.
Ein solches Geben und Nehmen, bei dem der Kunde dank effektiver Unternehmenskommunikation wächst und damit für die Kreativen immer wieder neue, interessante Aufgaben entstehen, ist natürlich der Idealfall. Revorm hat dies ebenfalls mit anderen Auftraggebern geschafft und inzwischen nicht nur ein ansehnliches Portfolio zusammengetragen, sondern auch diverse Preise gewonnen – einen iF design award, einen red dot und jüngst eine Auszeichnung beim TDC. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass nun die ersten großen Kunden zu der Agentur kommen, die inzwischen ein zweites Büro in München aufbaut.
Es wäre jedoch ein Fehler, die kleinen Kunden bloß als Sprungbrett zu den dicken Jobs zu betrachten, denn mit vereinten Kräften lässt sich gerade bei Ihnen viel bewegen. Doch um aus einem 08/15-Aschenputtel eine schöne Prinzessin zu machen, reicht es nicht aus, bloß an hübschen Logos zu feilen. Vonnöten sind dafür Einfühlungsvermögen, Überzeugungskraft, Unternehmungsgeist und Geschäftssinn. Wenn sich die richtigen Partner finden, dann können Kreative und Mittelständler zu einem unschlagbaren Team zusammenwachsen. Und wenn das öfter passieren würde, ginge es nicht nur mit unserer Wirtschaft wieder voran, sondern wir würden auch im Alltag mehr gute Gestaltung finden.
Dr. Claudia Gerdes für Page zum Titelthema "Win-Win! Mittelstand und Kreative auf Erfolgskurs", 06/2005

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